Vor einem Jahr hatten wir am Jam an der Aare Besuch von Patrik Vosen. Seine Reise zum Glück führte ihn quer durch Europa von Ukulele-Jam zu Ukulele-Jam und er teilte seine Erfahrungen online. Vor meinen Frankreich-Ferien konsultierte ich seine Ukulele-Jam-Europakarte. Et voilà, meine Ukulele war am 21. Juli in Paris im Café Léopard mit dabei.
RAOUL im Café Léopard
In Paris findet RAOUL (Les Rencontres Amicales de OUkoulélistes en Liberté) statt – so heisst der Pariser Ukulele-Jam. Jeden Montag (ausser im August) trifft man sich ab 19:00 Uhr im hintersten Teil der Bar. Wer will, isst etwas Kleines und bestellt sich was zu trinken. Gegen 20:00 Uhr wird das Geschirr abgeräumt, die Tische und Stühle gestapelt und an die Wände gestellt. Es geht los …
… und zwar ohne Setlist!
Jede:r kann eine Seitenzahl des für den Abend bestimmten Songbooks nennen. Und der Song auf dieser Seite wird gemeinsam gespielt und gesungen. Dann sagt die nächste Person eine Seitenzahl usw. Diesen Montag kam Songbook Nummer 1 dran. Das Book hat rund 300 Seiten!
Pausenlos jammen bis in die Morgenstunden
Mathias, der Tätschmeister in Paris, erzählte mir, dass sie so normalerweise bis 23:00 Uhr spielen, manchmal sogar bis um 03:00 Uhr morgens jammen. Ich hatte schon nach 90 Minuten genug: die Stimmbänder und Handgelenke fingen an zu streiken. In Brugg gibt es ja spätestens nach einer Stunde 20 Minuten Pause!
Kommen und Gehen im Stehen
Auch anders als bei uns und bei den Pariser Marathons verständlich: Es herrscht ein Kommen und Gehen der Spielenden. Einige kommen später, andere machen längere Pausen, weil sie mit nicht Ukulele spielenden Freunden ein Glas trinken und dann später wieder einsetzen. Erstaunlich finde ich, dass fast alle stehend spielen. Ich konnte zum Glück mit in Renés Songbook schauen, der sitzend spielt.
Noten, Griffbilder?
In den Songbooks von RAOUL fehlen Noten und Griffbilder. Nur Liedertexte und Akkorde sind notiert. Hoppala! Ich kann nicht alle Griffe auswendig… Also scannte ich bei jedem Song sofort die Seite nach unbekannten Akkorden und löcherte René, der sie zum Glück kannte! Und ja – zwischendurch erinnerte ich mich an meine Anfänge in Brugg: mitschrummen, wenn’s einfach ist, nix tun, wenn ich die Griffe nicht kann. Mitsingen, wenn ich das Lied kenne und zuhören und geniessen, wenn es neu ist für mich. Alles ist ok!
Mundharmonika und Heimatgefühle
René konnte mir nicht nur die fehlenden Griffe zeigen, sondern begleitete einige Lieder mit der Mundharmonika. Das gab dann wieder Heimatgefühle, denn die Kombi geniesse ich auch in Brugg sehr!
Applaus und Tanz
Solos habe ich an dem Abend keine erlebt. Dafür haben aber das Bar-Publikum und der Kellner immer mal wieder Applaus gespendet, ein zwei Tanzschritte gewagt und sich ab unseren Klängen und Liedern gefreut.
Schön war’s, in Paris zu jammen!
Liebi Grüess, Eva